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Jahresbericht 2010 

gehalten von Robert Völkl
anlässlich der Ordentlichen Mitgliederversammlung
am 14. April 2010 im World Trade Center Bremen

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Weltwirtschaft, die Wirtschaft in Europa und die Wirtschaft in Deutschland haben ein äußerst schwieriges Jahr hinter sich gebracht. Ein weiteres schwieriges Jahr steht ihnen bevor. Einen derartigen Einbruch hat die Wirtschaft in der Nachkriegszeit noch nicht erlebt.
An der Spedition - auch in Bremen – ist die Entwicklung selbstverständlich nicht spurlos vorbeigegangen. Auch Sie, sehr geehrte Damen und Herren, mussten erhebliche Auftragsrückgänge und Umsatzeinbußen hinnehmen.
Wir wollen positiv denken.
Wenn die wirtschaftliche Tätigkeit zurückgeht und zugleich Auftragszahlen und Umsatz bei den Speditionen rückläufig sind, heißt das doch umgekehrt genauso, dass bei einem Wiederanspringen der Konjunktur die Auftragszahlen und der Umsatz in den Speditionsfirmen ansteigen werden.
So trivial dieser Zusammenhang ist, zeigt er doch aber in aller Deutlichkeit: Die Wirtschaft braucht die Verkehrswirtschaft, die Wirtschaft braucht Logistik, die Wirtschaft braucht die Spediteure.
Die ersten Anzeichen einer Erholung sind in der Wirtschaft zu erkennen. Produktion und Handel nehmen wieder zu. Die Zuwächse in manchen Schwellenländern und vor allem in China sind bereits wieder beeindruckend.
Das alles gibt uns die Hoffnung, dass das Schlimmste überstanden ist und wir auf einen Wachstumspfad zurückkehren, der hoffentlich sehr lang sein möge.
Optimismus und Zuversicht sind das, was wir brauchen. Optimismus und Zuversicht sind das, was wir haben. Optimismus und Zuversicht bestimmen unser Handeln.
Ausfuhrzollabfertigung
Der Spediteur benötigt ohnehin Optimismus und Zuversicht. Sie sind einfach erforderlich, um die vielen Widrigkeiten des Alltags zu bewältigen.
Jahrzehntelang musste der Spediteur hinter den Ausfuhrpapieren seiner Kunden herlaufen. Die Waren kommen auf direktem Wege in den Hafen. Die Ausfuhrpapiere liefen auf dem Postwege an den Spediteur und ließen auf sich warten.
Seit dem 1. Juli 2009 ist die elektronische Ausfuhranmeldung obligatorisch. Alle Ausfuhren sind im zolleigenen System ATLAS anzumelden. Die Erledigung dieser Ausfuhrverfahren muss ebenfall in dem System erfolgen. Damit hat das Warten auf die Ausfuhrpapiere für den Seehafenspediteur endlich ein Ende.
Aber der Teufel steckt, wie so oft, im Detail. Die Eingabe der Sendungsdaten in die Systeme kann bei größeren Sendungen mit vielen Containern, diversen Waren und unterschiedlichen Verpackungsebenen extrem aufwändig sein und einen Mitarbeiter für mehrere Stunden an den Computer binden. Eingabefehler und Diskrepanzen sind da fast unvermeidlich; die nachfolgenden Schwierigkeiten vorprogrammiert. Hier wäre es wünschenswert, wenn die Seehafenverkehrswirtschaften in Bremen und in Hamburg im Einvernehmen mit dem Zoll und den Systemen BHT und DAKOSY zu Vereinfachungen kämen.
Security
Selbstverständlich werden die elektronisch erfassten Daten vom Zoll dafür genutzt, etwaige Risiken zu identifizieren, Gefahren mit terroristischem Hintergrund zu erkennen. Der „Security“ kommt immer größere Bedeutung zu.
Seit dem 11. September 2001 ist eine riesige Sicherheitsmaschinerie in den USA und in vielen anderen Ländern der Welt aufgebaut worden.
Mit der Meldung von Sendungsdaten in das US-amerikanische „Automated Manifest System“ mindest 24 Stunden vor Verladung auf das Seeschiff sind Sie seit langem vertraut. Ähnliche Regelungen gibt es für Kanada, Mexiko und seit jüngerer Zeit auch für China.
In der Europäischen Gemeinschaft sollte eine entsprechende Regelung zum 1. Juli 2009 eingeführt werden. Die Programmierung und die Verknüpfung der nationalen Zollsysteme haben den EU-Mitgliedstaaten einen Strich durch die Rechnung gemacht. Jetzt sollen nach gegenwärtigem Stand ab dem 1. Januar 2011 alle Waren, die in Europa eingeführt werden, frühzeitig aus dem Ausland angemeldet werden.
Die USA planen, dass nur noch Luftfrachtsendungen und Container in ihr Land eingeführt werden dürfen, die vorher durchleuchtet wurden. Was das für einen Hafen wie Bremerhaven bedeutet, von dem jährlich 600.000 Container gen USA verschifft werden, brauche ich hier nicht weiter zu erläutern. Vor wenigen Wochen wurde das Vorhaben zumindest um zwei Jahre verschoben und soll nun im Jahre 2014 umgesetzt werden.
Die Luftfrachtspediteure müssen sich schon seit dem 1. Februar 2006 in den engen Grenzen des Luftsicherheitsgesetzes bewegen. Als so genannte „Reglementierte Beauftragte“ dürfen sie in sicherheitsrelevanten Bereichen nur zuverlässiges und geschultes Personal einsetzen, haben Sicherheitspläne zu erstellen und müssen Schulungspläne vorlegen. In zwei Wochen müssen die Verlader ebenfalls große Anstrengungen auf sich nehmen, um weiterhin als „Bekannte Versender“ zu gelten. Hat die Lieferkette vom Verlader bis zur Auflieferung am Flughafen einen Bruch, ist die Sendung zu durchleuchten.
Laut einer EU-Verordnung haben seit dem Jahre 2002 alle Wirtschaftsbeteiligten in der Europäischen Union sicherzustellen, dass sie Personen, Firmen und Institutionen, die des Terrorismus’ verdächtigt werden, keine Gelder, andere finanzielle Vermögenswerte oder wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung stellen. Es gibt Listen mit über 20.000 Einträgen, die von der EU regelmäßig aktualisiert werden und mit denen jeder Wirtschaftsbeteiligte seine Geschäftskontakte abzugleichen hat.
Dann gibt es noch seit dem 1. Januar 2009 den AEO, den Authorized Economic Operator, den „Zuverlässigen Wirtschaftsbeteiligten“. Jeder Spediteur und jedes im Außenhandel tätige Unternehmen kann diesen Status bei seinem Hauptzollamt beantragen. Mit dem Antrag alleine ist es allerdings nicht getan. Dazu sind lange Fragebögen zu beantworten und die Antworten müssen natürlich den Realitäten entsprechen. Die Anlagen und die Bürogebäude müssen vor Dritten geschützt werden, es dürfen nur zuverlässiges Personal und zuverlässige Subunternehmer beschäftigt werden, organisatorische Maßnahmen und regelmäßige Schulungen der Mitarbeiter sollen das Bewusstsein für die Sicherheit und die Sicherheit selbst im Unternehmen erhöhen. Und selbstverständlich ist alles penibel zu dokumentieren.
Dieser AEO ist beinahe eine Kopie des US-amerikanischen C-TPAT: „Customs-Trade Partnership against Terrorism“. Einige von Ihnen sind schon mit langen Fragebögen Ihrer amerikanischen Geschäftsfreunde bedacht worden.
Der AEO ist eine Antwort der Europäer auf das C-TPAT, mehr noch, die Europäische Union hat den AEO auf Druck der USA eingeführt. Da mutet es fast aberwitzig an, dass die EU und die USA immer noch verhandeln, ob und wie der verliehene Status AEO auch in den USA anerkannt werden kann.
Übrigens können die Hauptzollämter nur diejenigen Firmen den Status AEO erteilen, die ihre Geschäftspartner darauf hin kontrollieren, ob sie in den Listen der Terrorverdächtigen aufgeführt sind.
Wenn es sein muss, können Spediteure all den aufgeführten Anforderungen gerecht werden. Aber erst einmal haben wir Spediteure einen riesigen Aufwand zu betreiben: Viel Zeit, viel Papier, viel Formalismus.
Brauchen wir Spediteure eine derart überbordende Sicherheitsarchitektur? Kann ein derartiger Aufwand helfen, terroristische Risiken zu reduzieren? Stehen Aufwand und Ertrag noch in einem vernünftigen Verhältnis zu einander?
Die Antwort auf diese Fragen muss sich jeder selbst geben. Sie sind aber ohnehin nur von begrenztem Wert.
Entscheidend ist, dass es diese Anforderungen gibt und das die Verlader zunehmend von ihren Spediteuren erwarten, dass sie diesen Anforderungen gerecht werden.
Große deutsche Unternehmen sind in der jüngeren Vergangenheit in große Schwierigkeiten gekommen, weil sie eben nicht die Einhaltung bestimmter Regeln im internationalen Handel eingehalten haben. Stichwort: Korruption.
Diese Unternehmen können es sich einfach nicht erlauben, mit den Sicherheitsanforderungen nachlässig umzugehen. Sie müssen von ihren Spediteuren erwarten, dass sie genauso die Anforderungen erfüllen.
Security wird mehr und mehr zu einem Ausschlusskriterium im Wettbewerb.
Ob heute, morgen oder in einigen Jahren: Mittelfristig werden viele Spediteure nicht umhinkommen, sich mit den Sicherheitsfragen zu beschäftigen und ihre Organisationen darauf einzustellen.
Der Verein Bremer Spediteure empfiehlt allen Mitgliedsfirmen, je nach Kundenstruktur und Bedarf, sich rechtzeitig mit den Fragen der Security auseinanderzusetzen. Wo immer möglich, wird der Verein Bremer Spediteure gerne mit Rat, Informationen und Kontakten behilflich sein.
Green Logistics
Die Spedition muss sich noch mit einem weiteren Trend auseinandersetzen: „Green Logistics“. Der „Umweltverträglichkeit“ und der „Nachhaltigkeit“ von Verkehren kommt immer größere Bedeutung zu.
Dabei ist zunächst die Frage gestattet, ob Verkehr überhaupt „umweltverträglich“ oder gar „nachhaltig“ sein kann. Raumüberwindung setzt nun einmal immer Energie voraus, die zunächst hergestellt werden muss und die mit Emissionen verbunden ist.
Das Umweltbewusstsein in der Bevölkerung ist seit den 80er Jahren enorm gestiegen. Es ist keinem mehr egal, was aus unserer Mutter Erde wird und welche Welt wir unseren Kindern überlassen werden. Darauf reagieren große Konzerne, die im Endkundengeschäft tätig sind. „Green“ ist in, „Green“ schafft ein gutes Gewissen.
In den nächsten Jahren werden Spediteure zunehmend mit der Frage konfrontiert werden, welche Emissionen der Transport einer bestimmten Ware von A nach B verursacht. Wie können die Emissionen gemessen werden? Welche Methoden gibt es schon? Welche sind international anerkannt? Welche Stellschrauben gibt es, die Emissionen zu reduzieren? Wie können Maßnahmen zur Reduzierung dokumentiert werden?
Die Wissenschaft und die Verkehrswirtschaft stehen da noch ziemlich am Anfang.
Aber – ob es uns gefällt oder nicht – die Fragen werden zumindest mittelfristig auf die Verkehrswirtschaft und die Spedition zukommen. Früher oder später werden wir uns intensiv mit der Green Logistics beschäftigen müssen.
Zusammen mit anderen Landesverbänden und dem Deutschen Speditions- und Logistikverband hatte der Verein Bremer Spediteure eine Studie zur Green Logistics in Auftrag geben. Die Studie bescheinigt den Speditionen, bereits vielfältige Aktivitäten auf diesem Gebiet entwickelt zu haben. So kann allein die Organisationsfunktion des Spediteurs bereits als erster Schritt zur „Grünen Logistik“ begriffen werden.
Der Verein Bremer Spediteure wird das Thema weiter eng für Sie verfolgen.
Security und Green Logistics – das sind zwei Themen, die das Potenzial haben, die Verkehrswirtschaft nachhaltig zu beeinflussen oder gar zu prägen. Wir wissen nicht, ob und wie stark sich die Welt des Güterverkehrs in den nächsten zehn oder zwanzig Jahren verändern wird. Security und Green Logistics werden zukünftig aber bestimmt ein deutlich höheres Gewicht haben als heute.
Beides sind Themen, die dem Spediteur im Zweifel erst einmal viel Aufwand verursachen und damit Geld kosten. Eine direkte Bezahlung dieses Aufwands wird der Spediteur in den meisten Fällen nicht erwarten dürfen.
Speditionelle Praxis
Einnahmen erzielen Sie durch die Abwicklung konkreter Aufträge. Und das Geldverdienen ist wahrlich nicht einfach:
Über die Ausfuhrzollabfertigung in den Seehäfen haben wir bereits gesprochen. Die stark schwankenden Seefrachten im Einvernehmen mit den Kunden betriebswirtschaftlich abzubilden, fordert den ganzen Kaufmann, die ganze Kauffrau. Die stark verkürzten lagergeldfreien Zeiten in den deutschen Seehäfen machen die Disposition im Export und vor allem im Import zuweilen schwierig. Die telefonische Erreichbarkeit des Zollamtes Bremerhaven ist verbesserungswürdig.
Der Palettenschwund stellt die Lkw- und Stückgutspediteure immer noch und immer wieder vor Probleme. Die innerstädtische Verkehrspolitik verteuert die Zustellung und Abholung in der Innenstadt und ist einem herausragenden Logistikstandort nicht angemessen.
Im Luftverkehr spielt schon heute die Einhaltung des Luftsicherheitsgesetzes im Alltag eine dominierende Rolle. Die Frachthalle am Bremer Flughafen mit ihrem Zuschnitt und der geringen Anzahl von Toren massenhaften und zeitkritischen Luftfrachtumschlag nicht ausgelegt. Mit dem rapiden Rückgang der Mengen hat sich die Lage zwar entspannt, zukunftsträchtig ist der Luftfrachtstandort in seiner heutigen Konfiguration nicht. Der neue Geschäftsführer der Bremen Flughafen GmbH kennt keine Tabus und ist willens, alle Optionen ergebnisoffen zu prüfen.
Der Verein Bremer Spediteure verfolgt alle Themen und versucht, wo immer es geht, für die Spedition und den Warenfluss die bestmöglichen Bedingungen zu schaffen. Dazu dienen die vielfältigen Kontakte zur Verwaltung, den anderen Verbänden der Verkehrswirtschaft, der Handelskammer und den Medien.
Dass die Verbandsarbeit nicht akademisch oder theoretisch bleibt, dafür sorgen die vielen ehrenamtlichen Mitglieder in der Seeschifffahrtskommission, der Lkw-Kommission, der Luftfrachtkommission, der Zollkommission, der Berufsbildungskommission und natürlich dem Vorstand.
Der Rundschreibenversand per E-mail hat sich bewährt. Die Verteilung über die jeweils sehr spezifischen Empfängerkreise gewährleistet, dass die Informationen immer unmittelbar an die Stellen in Ihren Häusern gelangen, für die sie von besonderem Interesse sind. In der Aktualität ist der Rundschreibenversand per E-mail ohnehin unschlagbar.
Berufsbildung
Sehr geehrte Damen und Herren, in dem diesjährigen Jahresbericht haben wir vor allem beleuchtet, in welcher Weise die Security und die Green Logistics zukünftig die Verkehrsmärkte beeinflussen werden.
Die Aufzählung der vielen Themen, Aufgaben und Herausforderungen, mit denen der Spediteur in seinem Alltag außerdem konfrontiert wird, habe ich nur kurz angerissen.
Schon an dieser kurzen, höchst unvollständigen Aufzählung ist zu erkennen, was Sie als Praktiker ohnehin wissen:
Es gibt nur wenige Berufsbilder, die eine derart große, vielseitige Themenvielfalt bereithalten, wie das der Kaufleute für Spedition und Logistik. Jedem jungen Menschen, der Angst vor einem langweiligen Büroalltag hat, können wir mit bestem Gewissen raten:
„Lernt Spedition und Logistik!“
Das Bremer Speditionsgewerbe hat ohnehin eine traumhafte Ausbildungsquote von rund 18 Prozent. In den vergangenen Jahren konnte die Spedition die Zahl der neu geschlossenen Ausbildungsverhältnisse kontinuierlich steigern. Der Höhepunkt war im August 2008 mit über 250 neuen Auszubildenden.
Natürlich hat die Weltwirtschaftskrise auch ihre Spuren in der Spedition hinterlassen. Im August letzten Jahres konnten aber immerhin 200 junge Leute eine Ausbildung zum Kaufmann / zur Kauffrau für Spedition und Logistik beginnen. Dies ist angesichts des wirtschaftlichen Drucks, dem Sie, sehr geehrte Damen und Herren, im letzten Jahr ausgesetzt waren und dem Sie immer noch ausgesetzt sind, eine beachtliche Leistung!
Sehr geehrte Damen und Herren, eingangs haben wir festgestellt:
Optimismus und Zuversicht sind das, was wir brauchen. Optimismus und Zuversicht sind das, was wir haben. Optimismus und Zuversicht bestimmen unser Handeln.

Haben Sie vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

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