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Spediteure überall zu Hause
 
gehalten von Simon Reimer
Vorsitzender des Vereins Bremer Spediteure
vor Gästen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft
anlässlich der Ordentlichen Mitgliederversammlung
am 16. April 2013 im Atlantic Grand Hotel Bremen
 
Es gilt das gesprochene Wort.
 
sehr geehrter Herr Dr. Schmidt,
liebe Freunde der bremischen Verkehrswirtschaft
liebe Kollegen und Kolleginnen Spediteure,
sehr geehrte Damen und Herren

der Verein Bremer Spediteure begrüßt sie herzlich zu dieser Veranstaltung. Gerade hat er seine ordentliche Mitgliederversammlung abgehalten. Natürlich spielte auch dort die Entwicklung der Wirtschaft eine Rolle.

Deutschlands Wirtschaft zeigt sich inmitten der Eurokrise bislang erstaunlich robust. Die Binnennachfrage ist nach wie vor stabil. Im Export konnte Deutschland mit über einer Billion Euro sogar ein neues Allzeithoch erzielen. Nach einem Wirtschaftswachstum von 4,2 Prozent im Jahr 2010 und drei Prozent in 2011 konnte das Bruttosozialprodukt in 2012 immerhin noch um 0,7 Prozent gesteigert werden – ein Wert, um den uns andere EU-Mitgliedsländer beneiden. Ich zitiere das Statistischen Bundesamt: „Im europäischen Vergleich liegt Deutschland beim Wirtschaftswachstum auch 2012 weit über dem Durchschnitt.“
Entsprechend erfolgreich war das Jahr 2012 für die bremische Seehafenverkehrswirtschaft. Insbesondere die Hafenwirtschaft konnte neue Rekorde aufstellen. So stieg der Automobilumschlag um über sechs Prozent auf fast 2,2Millionen Einheiten. Damit hat Bremen seine Stellung als der führende Umschlagsplatz für Fahrzeuge eindrucksvoll unterstrichen.
Auch im Containerumschlag konnten die bremischen Häfen einen neuen Rekord verbuchen. 6.115.211 TEU sind über die Kajen gegangen, eine Steigerung um 3,4 Prozent. Bremen konnte damit den anderen Häfen in der Hamburg-Antwerp-Range Marktanteile abnehmen.
Vor diesem Hintergrund können viele Speditionsunternehmen in Bremen auf ein zufriedenstellendes Geschäftsjahr 2012 zurückblicken.
Allerdings haben die bremischen Häfen in den letzten beiden Monaten des letzten Jahres einen überdurchschnittlich hohen Rückgang der Umschlagszahlen registrieren müssen.
Dieser Trend hat sich im I. Quartal dieses Jahres fortgesetzt. Den anderen Häfen gelingt es derzeit, wieder etwas aufzuholen.
Dies ist nichts Neues. Die Anteile zwischen den Häfen verschieben sich ständig. Mal gewinnt der eine Hafen Marktanteile hinzu; ein anderes Mal ist es ein anderer Hafen.
Festzuhalten bleibt: Bremen ist einer der wichtigsten Umschlagsplätze für Container in Nordwesteuropa. Ungeachtet von Verschiebungen in den Marktanteilen – einmal nach oben, einmal nach unten – konnte Bremerhaven seine Position in den letzten Jahrzehnten behaupten.
Nach der Wirtschaftskrise 2009 hat der Containerumschlag weltweit geringere Zuwachsraten, als noch Mitte des letzten Jahrzehnts erwartet. Aber, sehr geehrte Damen und Herren, der Containerumschlag wird weiter wachsen. Dies steht außer Frage.
Da ist es gut, dass die bremische Seehafenverkehrswirtschaft weitere Umschlagskapazitäten in Reserve hat. Mit dem Jade-Weser-Port ist die bremische Seehafenverkehrswirtschaft in der Lage, auch vom zukünftigen Wachstum im Containerumschlag zu profitieren. Gewiss – der Tiefwasserhafen ist noch weit von einer angemessenen Auslastung entfernt.
Es braucht einfach noch etwas Zeit und Geduld, bis die Kapazitäten an der Jade tatsächlich benötigt werden.
Aber stellen Sie sich bitte vor, das Wachstum Mitte des letzten Jahrzehnts hätte sich unvermindert fortgesetzt und der Tiefwasserhafen wäre nicht gebaut worden: Wir hätten hier im Herzen des Nordwestens erhebliche Kapazitätsengpässe. Mit Recht hätte sich die Politik von der Seehafenverkehrswirtschaft schwere Versäumnisse vorwerfen lassen müssen.
Verkehr ist nun einmal auf ausreichende Kapazitäten angewiesen. Dies gilt nicht nur für Containerterminals und andere Umschlagsanlagen, dies gilt genauso für die Verkehrswege.
Die Vertiefung der Außenweser ist überfällig. In den nächsten Monaten wird das Urteil des Verwaltungsgerichts in Leipzig erwartet. Wir gehen davon aus, dass dann die Arbeiten zur Anpassung der Außenweser unverzüglich in Angriff genommen werden können.
Das gleiche gilt für die Unterweser, damit die Schiffe Brake, den Neustädter Hafen und unsere Industriehäfen besser ausgelastet anfahren können.
Auch die Mittelweser muss endlich ausgebaut werden, damit ein effizienter Containertransport auf dem Wasser möglich wird. Es gleicht einem Schildbürgerstreich, wenn erst die Schleusen in Minden und Dörverden für über 100 Millionen Euro ausgebaut werden, dann aber die erforderliche Ertüchtigung des Stromes selbst unterbleibt. Zwar kämen Großmotorgüterschiffe mit 110 Meter Länge durch die Schleusen, auf der Mittelweser aber wäre der Verkehr für diese Schiffe derart eingeschränkt, dass ein wirtschaftlicher Betrieb nicht mehr möglich wäre.
Dass die Kapazitäten auf den Schienen längst an ihre Grenzen gestoßen sind, ist uns Fachleuten bekannt. Eine Verkehrsverlagerung von der Straße auf die Schiene ist nur noch sehr begrenzt möglich. Ob nun mit der Y-Trasse oder mit anderen geeigneten Ausbaumaßnahmen: Die Kapazitäten auf der Schiene von Bremen / Bremerhaven Richtung Süden müssen dringend erweitert werden.
Angesichts des Bundeshaushalts hat man ja Hemmungen, überhaupt weitergehende Forderungen zu stellen. Aber wenn die Akzeptanz des Güterverkehrs auf der Schiene in der Bevölkerung nicht weiter leiden soll, müssen wir über eine Güterumgehungsbahn für Bremen nachdenken.
Es ist schon oft genug gesagt worden; aber natürlich kann ich Ihnen die Anmerkung auch an dieser Stelle nicht ersparen. Der Autobahnringschluss um Bremen einschließlich der Weserquerung muss noch in diesem Jahrzehnt gelingen. Den Anliegern im GVZ wurde der Anschluss an das Autobahnnetz schon viel zu lange versprochen.
Nach Fertigstellung der A281 werden die Effekte auch auf den innerstädtischen Verkehr für Bremen äußerst positiv sein.
Der Verein Bremer Spediteure hat den Eindruck, dass die Betonallergie, die im letzten Senat noch zu diagnostizieren war, nunmehr einer pragmatischen Haltung gewichen ist.
Diese pragmatische Haltung in der Verkehrspolitik zeigt sich auch an anderer Stelle. Lange hatte sich Bremen geweigert, an dem bundesweiten Feldversuch mit dem Lang-Lkw teilzunehmen.
Der Senator für Umwelt, Bau und Verkehr hatte jedoch versprochen, sich die ersten Ergebnisse des Feldversuchs anzugucken, um dann seine Position zu überdenken. Er hat Wort gehalten:
Seit Februar finden sich die Autobahnabschnitte auf bremischen Gebiet in der Positivliste für das Lang-Lkw Netz. Bremen duldet nun den Lang-Lkw in seinen Landesgrenzen. Damit können Lang-Lkw Bremen über die A1 und die A7 im Transit durchfahren.
Mehr noch: Der Senator hat mittlerweile zwei Ausnahmegenehmigungen erteilt, mit denen Unternehmen Ziele innerhalb Bremens anfahren können, die nur wenige hundert Meter von der Autobahn entfernt liegen.
Es ist nicht nur der ökonomische Vorteil für die Unternehmen selbst, der mit den Ausnahmegenehmigungen verbunden ist. Mehr noch sind diese Ausnahmegenehmigungen ein Signal an die Wirtschaft in und außerhalb Bremens, dass Bremen ein herausragender Hafen- und Logistikstandort ist und bleiben soll.
Ein dauerhaftes Verbot der Lang-Lkw wäre einem Logistikstandort wie Bremen unwürdig gewesen. Dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr sei an dieser Stelle nochmals ausdrücklich gedankt.
Große Probleme bereiteten im letzten Jahr die Großraum- und Schwerlasttransporte, die die bremischen Häfen erreichen sollten. Ein Bearbeitungsstau beim Amt für Straßen und Verkehrführte zu nicht mehr akzeptablen, langen Genehmigungszeiten. Die Zeitfenster, in denen derartige Transporte zulässig waren, waren zu eng. Die Übergabepunkte für die Polizeibegleitung waren zu weit von Bremen entfernt.
Den bremischen Häfen drohte ein massiver Ladungsverlust, weil sie für Großraum- und Schwerlasttransporte fast nicht mehr zu erreichen waren.
Die Bremer Projektspediteure, die sich auf den seewärtigen Versand von überdimensionalen und schweren Kollis und auf den Versand von ganzen Industrieanlagen spezialisiert haben, wollen – wenn immer möglich – die Verschiffungen über ihren Heimathafen, über Bremen ermöglichen.
In einer vorbildlichen gemeinsamen Anstrengung ist es dem Senator für Umwelt, Bau und Verkehr zusammen mit dem Senator für Wirtschaft, Arbeit und Häfen sowie dem Senator für Inneres, den Hafenumschlagsunternehmen, dem Amt für Straßen und Verkehr, den Spediteuren und weiteren Institutionen gelungen, wesentliche Verbesserungen zu erzielen.
Die Großraum- und Schwerlasttransporte sind für Bremen sehr wichtig. Der Verein Bremer Spediteure dankt den Senatsressorts und allen beteiligten Stellen für ihr Engagement.
Sehr geehrte Damen und Herren, wie bereits gesagt, sind die verfügbaren Kapazitäten und ihre optimale Nutzung von herausragender Bedeutung für die Verkehrswirtschaft.
Die Kapazitäten in der internationalen Seeschifffahrt, vor allem im Containerverkehr, scheinen derzeit mehr aus ausreichend zu sein. Trotzdem bestellen Reeder immer weiter Schiffe, vor allem im Segment der ganz großen Einheiten mit einem Fassungsvermögen von mehr als 12.000 TEU.
Wie sich die Kapazitäten in der Containerschifffahrt zukünftig entwickeln werden, mit welchem Tonnagezuwachs wir zu rechnen haben, welche Größenentwicklungen uns noch bevorstehen und ob die Containerschifffahrt vor einer Phase der Konsolidierung steht – das werden wir innerhalb der nächsten Stunde aus berufenem Munde erfahren.
Sehr geehrter Herr Dr. Schmidt, ich freue mich, dass Sie heute aus der Sicht von Hamburg Süd die Märkte beleuchten werden.
Kapazitätsengpässe ganz anderer Art drohen der europäischen Luftfracht ab dem 29. April. Ab diesem Zeitpunkt dürfen Spediteure nur noch die Luftfrachtsendungen derjenigen Kunden als sichere Fracht entgegennehmen, die zuvor vom Luftfahrt-Bundesamt als „Bekannte Versender“ anerkannt worden sind.
Die Luftfrachtsendungen aller anderen Kunden müssen zunächst aufwändig geprüft werden, ob sie tatsächlich sicher sind. Die Sendungen müssen geröntgt werden, gegebenenfalls müssen sie am Flughafen nochmals ausgepackt werden. Auch Spürhunde, die Sprengstoff erschnüffeln können, sollen demnächst eingesetzt werden.
Worüber reden wir? Von den circa 65.000 Kunden mit Luftfracht werden Ende April lediglich rund zwei Tausend als Bekannte Versender vom Luftfracht-Bundesamt anerkannt sein. Es ist damit zu rechnen, dass ab dem 29. April 70 Prozent aller Sendungen zunächst am Flughafen „sicher“ gemacht werden müssen. Ob die Kapazitäten der Röntgenanlagen, der Stellflächen und die Manpower für das Auspacken von Sendungen ausreichen werden, wird sich zeigen.
Zu befürchten ist, dass es gerade in den ersten Wochen zu erheblichen Rückstaus an den deutschen und den anderen EU-Flughäfen kommen wird.
Sehr geehrte Damen und Herren, Sie haben es gemerkt, Spediteure sind überall zu Hause, ob auf der See, in den Häfen, auf der Schiene, auf der Straße oder in der Luft.
Es ist genau die Aufgabe der Spediteure, für jede logistische Aufgabe, für jeden Transport die richtige Wegstrecke zu bestimmen, Transportketten zu organisieren und alle Beteiligte entlang der Transportkette punktgenau zu informieren und einzusetzen.
Die Verfügbarkeit der erforderlichen Kapazitäten ist eine Grundvoraussetzung, damit die Spediteure ihre Aufgaben zum Wohle ihrer Kunden und zum Wohle der Wirtschaft insgesamt erfüllen können.
Zu den Kapazitäten gehört auch und besonders die Verfügbarkeit geeigneten Personals, dass diese Aufgaben qualifiziert übernehmen kann.
Spediteure arbeiten häufig „asset-light“, wie wir im Neudeutsch gerne sagen. Viele Spediteure haben keine eigenen Transport-, Umschlags- oder Lagerkapazitäten. Was die Spediteure haben, ist Know How. Damit sind die Mitarbeiter in den Unternehmen das wertvollste Kapital, das die Spediteure haben.
Der Ausbildungsberuf Kaufmann / Kauffrau für Spedition und Logistik ist der zahlenstärkste Ausbildungsberuf unter allen kaufmännischen Berufen in Bremen – noch vor dem Groß- und Außenhandel und noch vor dem Einzelhandel. Jährlich werden rund 250 Ausbildungsverträge in der Spedition neu geschlossen.
Und die Ausbildung erfolgt auf sehr hohem Niveau. Dies ist ein Verdienst der Berufsschule für den Großhandel, Außenhandel und Verkehr. Vor allem ist es ein Verdienst der vielen Ausbildungsbetriebe, die häufig seit Jahrzehnten immer neue Generationen zu guten Speditionskaufleuten ausbilden.
Ein Wort zu dem Gebäudezustand in der Berufsschule an der Ellmersstraße: Es ist eine Schande, unter welchen Bedingungen die Schüler und die Lehrer dort arbeiten müssen. Die Fenster halten den Regen nicht mehr ab, viele Räume lassen sich nicht mehr richtig beheizen und die sanitären Anlagen sind ebenfalls in einem maroden Zustand. Dass die Berufsschüler im Winter während des Unterrichts ihre Jacken und Mützen an- und aufbehalten müssen, um nicht zu frieren, ist skandalös.
Die Verhältnisse sind seit Jahren bekannt. Die Wirtschaft und die Politik – alle reden der Bildung und der Ausbildung junger Menschen das Wort. Der Zustand des Gebäudes jedoch ist eine Verhöhnung der Ausbildungsbetriebe und der Auszubildenden. Was muss noch passieren, damit das Gebäude endlich saniert wird?
Sehr geehrte Damen und Herren, das Bremer Institut für Handel und Verkehr existiert seit über zehn Jahren. Dieses BIHV ist an der Berufsschule angesiedelt.
Abiturienten, die eine dreijährige Ausbildung zum Kaufmann oder Kauffrau für Spedition und Logistik machen, durchlaufen parallel ein Studium. In den Abendstunden und an Wochenenden hören sie bei hervorragenden Dozenten Vorlesungen, die sie befähigen, mittelfristig Führungsaufgaben in den Unternehmen zu übernehmen.
Mittlerweile haben mehr als 400 Auszubildende das BIHV durchlaufen.
Das Institut hat im vergangenen Jahr einen Kooperationsvertrag mit der Hogeschool NOVI University in Utrecht geschlossen. Die Absolventen des BIHV können sich an der NOVI University einschreiben lassen und innerhalb von neun Monaten ihren “Bachelor of Logistics, Trade and Marketing” erwerben.
Die Vorlesungen finden in Bremen an der Berufsschule in der Ellmersstraße statt. Das Studium wird komplett in englischer Sprache absolviert. Der BIHV-NOVI Bachelor-Studiengang versetzt die Absolventen endgültig in die Lage, auch internationale Aufgaben zu übernehmen.
Sehr geehrte Damen und Herren, wo ist es sonst möglich, innerhalb von vier Jahren eine komplette Berufsausbildung und ein hochwertiges Studium zu absolvieren und zugleich den Bachelor sowie vier Jahre Berufserfahrung zu erwerben?
Seit dem Schuljahr 2011 / 2012 bereit die „Einjährige Höhere Handelsschule Logistik“ Realschüler gezielt auf eine Ausbildung in der Spedition oder der Schifffahrt vor. Die Schüler müssen bestimmte Durchschnittsnoten in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik mitbringen. Der Charme dieses neuen Bildungsganges liegt darin, dass der Schüler bereits vor dem Besuch der Einjährigen Höheren Handelsschule Logistik einen Vorvertrag mit einem Ausbildungsbetrieb schließt. Er kann also nach der Vorbereitung gut gerüstet in die Ausbildung gehen.
Sehr geehrte Damen und Herren, Sie merken: die Ausbildung geeigneten Nachwuchses liegt den Spediteuren sehr am Herzen.
An dieser Stelle möchte der Verein Bremer Spediteure die drei besten Auszubildenden der vergangenen zwölf Monate für ihren besonders erfolgreichen Abschluss ehren.
Ihnen, sehr geehrte Damen und Herren, danke ich zunächst für Ihre Aufmerksamkeit.
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