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Kontinuität im Wandel

gehalten von Simon Reimer
neu gewählter Vorsitzender des Vereins Bremer Spediteure
vor Gästen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft
anlässlich der Ordentlichen Mitgliederversammlung
am 14. April 2010 im World Trade Center Bremen
Es gilt das gesprochene Wort.
 
Dank an Herrn Thomas W. Herwig
Vorsitzender von 2004 bis 2010
Sehr geehrter Herr Herwig,
Sie wurden im April 1987 in den Vorstand gewählt. Ein Jahr später wurden Sie bereits stellvertretender Vorsitzender. Seit April 2004 bis heute waren Sie Vorsitzender. Sie haben also bereits 23 Jahre die Arbeit im Vorstand des Vereins Bremer Spediteure maßgeblich geprägt.
Gerade in den letzten sechs Jahren als Vorsitzender haben Sie dem Verein Bremer Spediteure Richtung und Profil gegeben – mit einer Souveränität und einem Auftritt, der jedem Verband gut zu Gesicht stünde.
Lieber Herr Herwig, es spricht für Sie, dass Sie großen Wert darauf legen, Ihre Nachfolge beizeiten zu regeln, wenngleich Sie der Vorstand und die Mitgliedsunternehmen gerne weiterhin als Vorsitzenden gesehen hätten.
In den vergangenen Jahren durfte ich Ihr Engagement als Ihr Stellvertreter eng begleiten.
Die erfolgreiche Arbeit der letzten sechs Jahre möchte ich gerne fortsetzen – jetzt zusammen mit dem neuen stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Oliver Oestreich.
Heute ist noch nicht der Tag des Abschiednehmens. Sie bleiben dem Vorstand noch ein weiteres Jahr als Mitglied erhalten und stehen damit dem Verein Bremer Spediteure noch weiter mit Rat und Tat zur Seite.
Damit tragen Sie zu etwas bei, was dem Verein Bremer Spediteure und uns hanseatischen Kaufleuten generell am Herzen liegt:
„Kontinuität im Wandel“
Die Welt ändert sich; wir passen uns der veränderten Welt an, und bleiben uns dennoch treu.
Lieber Herr Herwig, nochmals herzlichen Dank!
Kontinuität im Wandel
Dear Mr. Engelstoft,
First of all I give a heartly welcome, in the name of our board, even from my side, today especially to you. It´s a pleasure to have you here at our main annual meeting of the forwarding and logistics community, companies with roots in Bremen, working worldwide with companies like yours, worldwide working as well. I hope you don´t mind, if I continue this official short part in German. I was told, you as our Danish guest and main speaker, are multi-lingual, so there is the possibility of talking German.
Sehr verehrte Damen,
sehr geehrter Herr Staatsrat Dr. Heseler, Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Abgeordnete der Bremischen Bürgerschaft, verehrte Gäste, meine Herren,
„Kontinuität im Wandel“, dies ist nicht nur für die Führung eines Verbandes wünschenswert, dies ist Herausforderung für jeden, der sich im Wirtschaftsleben bewegt.
Gerade in den vergangenen eineinhalb Jahren war die Wirtschaft einem Wandel ausgesetzt, den wir vorher nicht für möglich gehalten hätten. Die größte Rezession seit Ende des Zweiten Weltkriegs hat die gesamte Wirtschaft weltweit und damit selbstverständlich auch das Speditions- und Logistikgewerbe erfasst. Es war der stärkste Einbruch der Transportmärkte seit sechzig Jahren. Die Transportmengen sind erheblich zurückgegangen. Eine mehr als zehn Jahre anhaltende Wachstumsphase der Speditions- und Logistikbranche wurde jäh beendet. Der Welthandel brach um über 20 Prozent ein.
Im Seeverkehr gingen die Transportvolumina beispielsweise im Transatlantik-Verkehr um annähernd 20 Prozent und im westgehenden Fernostverkehr um 13 Prozent zurück. Dieser Mengeneinbruch traf zusammen mit einer Welle von Schiffsneubauten, die gerade in Fahrt gesetzt wurden und noch in Fahrt gesetzt werden. Die Folge war und ist eine dramatische Überkapazität an Schiffsraum, vor allem in der Containerfahrt. Im III. Quartal 2009 waren weltweit über zehn Prozent der Containerschiffe, also annähernd 600, aufgelegt.
Durch die Abbestellung und die Aufschiebung der Auslieferung von Neubauten, durch die vermehrte Verschrottung alter Tonnage und durch das „Slow-Steaming“ gelingt es den Reedern allmählich, den Tonnageüberhang zu reduzieren.
In den nationalen und internationalen Lkw- und Stückgutverkehren belaufen sich die Mengenrückgänge je nach Marktsegment zwischen 10 und 30 Prozent.
Der Luftfrachttransport ist im Jahr 2009 um 17 Prozent zurückgegangen und lag damit auf dem Niveau des Jahres 2003.
Auch die Bahnverkehre mussten erheblich Einbußen hinnehmen.
Die Folge der Mengenrückgänge waren erhebliche Überkapazitäten auf allen Transportmärkten. Dort, wo die Nachfrage geringer ist als das Angebot, fallen die Preise. Auf den Transportmärkten gab es einen dramatischen Ratenverfall. Dieser hat die Verdienstmöglichkeiten des Spediteurs erheblich eingeschränkt.
Der Wettbewerb ist im klein- und mittelständisch strukturierten Speditions- und Logistikgewerbe ohnehin sehr groß. In Zeiten einer Krise, wie wir sie im letzten Jahr erleben mussten, ist der Wettbewerb naturgemäß noch schärfer.
Dennoch konnten sich die Speditionsfirmen in Bremen im letzten Jahr weitgehend erfolgreich behaupten. Dies hat Gründe: Die Spediteure in Bremen haben eine große Kundenorientierung. Des Kunden Wunsch ist des Spediteurs Befehl. Nur eine permanent hohe Leistungsbereitschaft ermöglicht es dem Spediteur, Marktanteile zu behalten.
Dem mittelständisch geprägten Speditions- und Logistikgewerbe in Bremen liegen die hanseatischen Kaufmannstugenden ohnehin im Blut. Solides Wirtschaften in guten Zeiten hilft, auch weniger gute Zeiten gesund zu überstehen.
Mehr noch: Viele Spediteure haben das letzte Jahr dazu genutzt, ihre Prozesse zu restrukturieren und die Marktausrichtung nachzujustieren. Sie werden gestärkt aus der Krise hervorgehen.
Die Herausforderungen werden für die Spediteure in den nächsten Jahren nicht kleiner:
Es ist davon auszugehen, dass die Wirtschaft sich auch in Zeiten des Aufschwungs mit stark schwankenden Nachfragen auseinandersetzen muss.
Derzeit sind die Schiffe aus Fernost nach Europa wieder voll. Wartezeiten von zwei bis drei Wochen, bis ein Container in China auf ein Schiff geladen werden kann, sind keine Seltenheit. Die Frachtraten haben ein Niveau wie zu den Boomzeiten 2007 und 2008 erreicht.
Genauso muss aber damit gerechnet werden, dass die Nachfrage plötzlich wieder nachlässt. Gleichzeitig werden Linienreedereien aber ihre Kapazitäten in diesem Fahrgebiet wieder aufstocken. Die Gefahr besteht, dass, dass die Raten in der Folge wieder einbrechen.
Genauso sieht es in der Luftfracht aus. Derzeit wird außerordentlich viel Frachtraum von Europa in die USA nachgefragt. Den Spediteuren fällt es schwer, zeitnah Frachtraum für ihre Kunden zu reservieren. Wenn die Läger in den USA gefüllt sind, kann die Nachfrage schnell wieder abebben.
In Deutschland wurden im letzten Jahr 80.000 Lkw aus dem Verkehr genommen. Trotzdem hatten wir vor zwei Monaten noch einen großen Überhang an Frachtraum. Momentan ist es genau umgekehrt. National wie international sind auf dem freien Markt kaum noch Fahrzeuge zu finden. Auch im Lkw-Verkehr wird diese Entwicklung nicht von Dauer sein. Schnell kann das Pendel wieder zurückschlagen.
Noch niemals zuvor hatte der Spediteur mit derart volatilen Frachtmärkten zu kämpfen. Niemals zuvor waren die Nachfrageschwankungen so groß wie heute. Künftig werden die Transportmärkte durch wesentlich größere Nachfrageschwankungen, dicht aufeinander folgend, in kurzen Frequenzen, konfrontiert werden – mit heftigen Ausschlägen in die eine oder die andere Richtung.
Spediteure brauchen bezahlbare Kapazitäten, um ihre Kunden bedienen zu können. Eine der großen Aufgaben der Spediteure in der Zukunft wird es sein, mit den starken Nachfrageschwankungen systematisch und routiniert umzugehen. Es wird für Spediteure immer wichtiger, sich Frachtraumkapazitäten für die aufkommensstarken Zeiten zu sichern, und dennoch in aufkommensschwachen Zeiten wettbewerbsfähig zu bleiben. Es grenzt schon an Kunst, die schwankenden Frachtraten im Markt betriebswirtschaftlich abzubilden.
Der Spediteur fühlt sich seinen Kunden und den Frachtführern, die er einsetzt, gleichermaßen verantwortlich. Es ist das Bemühen des Spediteurs, die Frachtführer auch in schwachen Zeiten mit auskömmlichen Raten im Markt zu halten. Gleichzeitig muss er den harten Wettbewerb um Kunden und Aufträge bestehen.
Dies ist keine leichte Aufgabe.
Auch hier gilt:
„Kontinuität im Wandel“ –Seriosität und Verlässlichkeit in guten wie in schlechten Zeiten.
Aber: Spediteure sind Optimisten,
sonst wären sie keine Spediteure

 

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