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Tag der Logistik
 
gehalten von Simon Reimer
Vorsitzender des Vereins Bremer Spediteure
vor Gästen aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft
anlässlich der Ordentlichen Mitgliederversammlung
am 19. April 2012 im Atlantic Grand Hotel Bremen
 
Sehr geehrter Herr Präses der Handelskammer Bremen, lieber Herr Lamotte,
sehr geehrter Herr Prof. Wimmer,
liebe Gäste,
sehr geehrte Damen und Herren,
 
Heute ist der „Tag der Logistik“. Über 300 Veranstaltungen in Deutschland, Österreich, Tschechien und China werden den Blick der Öffentlichkeit auf die Logistik, ihre Vielfalt und ihre Beschäftigungsmöglichkeiten lenken.
 
Der Tag der Logistik findet einmal im Jahr statt.
 
Für die Spedition und damit uns die wir in dieser Branche arbeiten, jedoch ist jeder Tag ein Tag der Logistik. Der Güterverkehr kennt so gut wie keine Pause. Die Arbeitsteilung in der Wirtschaft nimmt weiter zu – in Europa und weltweit. Damit steigt der Warenaustausch; das Güterverkehrsaufkommen wächst weiter.
 
Die Verkehre müssen zuverlässig abgewickelt werden, wenn die Wirtschaft nicht ins Stocken geraten soll - über die Schiene, über die Straße, über See und in der Luft.
 
Spediteure organisieren einen Großteil dieser Verkehre mit Hilfe ihrer Partner, den Eisenbahnverkehrsunternehmen, den Güterkraftverkehrsunternehmen, den Reedereien, den Schiffsmaklern und Linienagenten, den Luftverkehrsgesellschaften, aber auch den Hafenumschlagsbetrieben, den Zollbehörden, den amtlichen Veterinär- und Pflanzenschutzdiensten, der Wasserschutzpolizei und weiteren Partnern aus der Wirtschaft und der Verwaltung.
 
Spediteure benötigen Kenntnisse im Außenhandelsrecht, von den internationalen Zahlungsbedingungen, den internationale Kaufvertragsklauseln, den Haftungsregimen der verschiedenen Verkehrsträger, dazu Warenkenntnisse, natürlich das Wissen um die Stärken der verschiedenen Verkehrsträger, und, und, und …
 
Der Beruf des Kaufmanns, der Kauffrau für Spedition und Logistik ist wohl einer der anspruchsvollsten unter allen kaufmännischen Berufen.
 
Aber die Logistik bietet noch weitaus mehr Beschäftigungsmöglichkeiten: Am Hafenstandort Bremen erfüllen die Schifffahrtskaufleute eine wichtige Funktion, die Hafenumschlagsunternehmen bieten viele interessante Arbeitsplätze. Und letztendlich müssen die Waren auch physisch transportiert, umgeschlagen, gelagert, gegebenenfalls kommissioniert und verpackt werden.
 
Damit bietet die Logistik hochinteressante Tätigkeiten für viele unterschiedliche Begabungen im kaufmännischen und gewerblichen Bereich.
 
Dies ist eine wichtige Aufgabe des Tags der Logistik:
 
Der Tag der Logistik soll junge Leute auf die unterschiedlichen Betätigungsmöglichkeiten in der Logistik aufmerksam machen. Vielen jungen Leuten ist gar nicht bewusst, welche interessanten und attraktiven Karrierechancen die Logistik ihnen bietet.
 
Deswegen bin ich dankbar, das unter dem Dach von VIA BREMEN der einheitlichen Marke für den Hafen- und Logistikstandort Bremen, heute den ganzen Tag im BLG-Forum Werbung für die Berufe in der Logistik gemacht wurde.
 
Besonders dankbar bin ich Ihnen, lieber Herr Prof. Wimmer, dass Sie zum heutigen Tag der Logistik hier beim Verein Bremer Spediteure den Gastvortrag halten werden und uns auf sieben Megatrends in der Welt, der Wirtschaft und der Logistik aufmerksam machen werden. Ich freue mich schon seit langem auf Ihren Vortrag.
 
Akzeptanz des Verkehrs
 
Der Tag der Logistik soll aber nicht nur junge Leute für die Ausbildung interessieren. Er hat auch noch eine andere wichtige Funktion:
 
Er soll das Verständnis in der Bevölkerung für den Güterverkehr stärken. Gerade vor zwei Wochen hatte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig das Nachtflugverbot am Frankfurter Flughafen bestätigt. Die Belastung derjenigen, die in den Einflugschneisen der Start- und Landebahnen wohnen, ist beträchtlich.
 
Ebenso die Belastung der Bevölkerung im Mittleren Rheintal, wo täglich mehr 200 Züge Tag und Nacht durch das Tal links und rechts des Rheins fahren.
 
Wir brauchen aber gar nicht so weit zu schauen: Die Anwohner der Bahnstrecke zwischen Oldenburg und Wilhelmshaven befürchten enorme zusätzliche Belastungen nach dem Ausbau der Stecke. Auch der Lärm des Schienenverkehrs in der Bremer Stadt ist für manche unmittelbaren Anlieger ein schwerwiegendes Problem.
 
Diese Probleme dürfen wir nicht kleinreden. Im Gegenteil, die Politik und die Wirtschaft sollen und müssen sich energisch dafür einsetzen, dass alles dafür getan wird, die Belastungen für die Bevölkerung zu reduzieren und so gering wie möglich zu halten.
 
Die breite Akzeptanz des Verkehrs ist für eine Wirtschaftsnation Voraussetzung, um dauerhaft erfolgreich sein zu können. Deutschland lebt von und mit der Wirtschaft. Das Wirtschaftsleben ist die Quelle für Arbeitsplätze, Wohlstand, Steuereinnahmen und soziale Gerechtigkeit.
 
„Wir alle sind Wirtschaft!“ oder „Wirtschaft, das sind wir alle“
Verkehrsentwicklungsplan Bremen 2020/2025
 
Eine künstliche Trennung zwischen vermeintlichen „Partikularinteressen“ der Wirtschaft und wohlgemeintem Umweltschutz darf es nicht geben.
 
In Bremen wird derzeit unter Federführung des Senators für Umwelt, Bau und Verkehr ein „Verkehrsentwicklungsplan Bremen 2020/2025“ erarbeitet.
Selbstverständlich gehören auch Fußgänger und Radfahrer zu einer mobilen Gesellschaft. Der öffentliche Nahverkehr spielt ebenso eine wichtige Rolle für die Entlastung der innerstädtischen Infrastruktur und der umweltfreundlichen Organisation von Mobilität.
 
Aber zu einer mobilen, modernen, städtischen Metropole gehören genauso der Individualverkehr und vor allem – unverzichtbar – der Güterverkehr. Ein Verkehrsentwicklungsplan muss insbesondere den Wirtschaftsverkehr gebührend berücksichtigen.
 
Hier muss der Verkehrsentwicklungsplan eine Balance herstellen, die den Ansprüchen eines Hafen- und Logistikstandortes, des sechstgrößten Industriestandortes Deutschlands und des bedeutenden Außenhandelsplatzes Bremen gerecht wird.
 
Elektronikbauteile aus Asien für die deutsche Maschinenbauindustrie oder aber Teile für den Aus- und Umbau der Energienetze und der tägliche Bedarf der Krankenhäuser, um nur drei Beispiele zu nennen, werden nicht mit dem Fahrrad transportiert und ausgeliefert. Offensichtlich auch in Zukunft.
 
Die Frage ist berechtigt, ob die Bremer Regierung in der Verkehrs- und Wirtschaftspolitik immer die richtigen Zeichen setzt.
 
Hafenbetriebsgesetz – Verbot des Umschlags atomarer Brennelemente
 
Die Teilentwidmung der bremischen Häfen mit dem Verbot des Umschlags von radioaktiven Kernelementen ist völlig unverständlich.
 
Die Mitglieder der Koalitionsfraktionen wundern sich über die Aufregung - schließlich hat ein Umschlag in den letzten Jahren nicht stattgefunden und die Mengen, die umgeschlagen werden könnten, sind verschwindend gering.
Umgekehrt ist es richtig: Gerade weil die Mengen so gering sind, verbietet es sich, dafür Hand an das Hafenbetriebsgesetz zu legen.
 
Bremen mahnt als Haushaltsnotlageland eine gerechte Kofinanzierung der Hafenlasten durch die anderen Länder an. Das hat nur seine Berechtigung, wenn Bremen seine Funktion als Universalhafen behält.
 
Das Verbot ist gegenüber den anderen Bundesländern höchst unsolidarisch.
Das Umschlagsverbot für Kernelemente öffnet zudem die Tür, den Umschlag von Gütern und Produkten jedweder Art oder Herkunft mittels des Hafenbetriebsgesetzes zu verbieten. Dies ist äußerst gefährlich.
Angesichts der geringen Mengen von radioaktiven Brennelementen, die überhaupt anfielen, ist der Imageschaden für Bremen immens.
 
A 281
 
Sorge bereitet der Spedition auch der Stillstand beim Bau der A 281. Bei allen Schwierigkeiten in der Trassenführung und den Kosten: Den Anrainern am GVZ wird seit mittlerweile über 25 Jahren eine Anbindung an das Autobahnnetz versprochen. Die Wirtschaft benötigt den Autobahnringschluss um Bremen. Er würde auch Verkehre von Straßen abziehen, an denen Menschen wohnen.
 
Die Wirtschaft erwartet jetzt verlässliche Perspektiven, wann die A 281 fertiggestellt wird. Die Wirtschaft wartet auf die Fertigstellung der A 281.
 
Feldversuch Lang-Lkw
 
Die Weigerung Bremens, am Feldversuch mit den sogenannten „Lang-Lkw“ teilzunehmen, ist ein weiteres Beispiel einer ideologisch gefärbten Verkehrspolitik.
 
Mit dem Einsatz von zwei Lang-Lkw werden drei herkömmliche Lkw ersetzt. Der Verbrauch an Kraftstoffen reduziert sich entsprechend - mit ebenfalls geringeren Emissionen von CO2 und Feinstaubpartikel. Die prognostizierten Mengensteigerungen im Verkehr können durch Kapazitätserweiterungen in Straße und Schiene alleine nicht aufgefangen werden. Die Innovation des Lang-Lkw könnte mithelfen, die Mengenprobleme der Zukunft zu bewältigen.
 
Die Vorgaben für einen derartigen Einsatz sind deutlich definiert: Der Lang-Lkw darf nur auf bestimmten, festgelegten Strecken eingesetzt werden, deren Anfangs- und Endpunkte außerhalb von Ballungszentren liegen. Die Fahrzeuge sollen mit allen verfügbaren Assistenz- und Sicherheitssystemen ausgestattet sein. Das Gesamtgewicht der Lang-Lkw bleibt auf 40 Tonnen beschränkt. Im Zu- und Ablaufverkehr für den Kombinierten Verkehr sollen, wie bisher auch, 44 Tonnen zulässig sein.
 
Es ist davon auszugehen, dass auch nach einem erfolgreichen Feldversuch der Lang-Lkw nur unter strengen Auflagen und unter Mitwirkung der Bundesländer eingesetzt werden darf.
 
Der jetzige Feldversuch der Bundesregierung ist ausdrücklich ergebnisoffen. Dies ist das Wesen eines Versuches. Wenn die Argumente gegen den Lang-Lkw sich als stichhaltig erweisen und überwiegen, darf er nicht dauerhaft zugelassen werden. Erweisen sich die Argumente als nicht stichhaltig und überwiegen die Vorteile, dann sollte der Lang-Lkw eingesetzt werden.
 
Bremen hat nicht nur seine aktive Teilnahme verweigert, sondern möchte darüber hinaus die Durchfahrt der Lang-Lkw über die Bundesautobahnabschnitte verbieten, die über bremisches Stadtgebiet führen. Damit aber werden die bedeutenden Verkehrsachsen A1 und A27 zerschnitten. Nord-Süd- und Ost-West-Verkehre werden im Feldversuch erheblich erschwert, wenn nicht gar ad absurdum geführt.
 
Bremen legt großen Wert auf seine Eigenständigkeit – mit Recht. Diese Eigenständigkeit soll und muss gepflegt werden; sie sollte aber nicht dazu verführen, die Insellage Bremens zu nutzen, den gewünschten Feldversuch des umliegenden Flächenstaates unmöglich zu machen.
 
Es geht lediglich um die Durchfahrt Bremens auf wenigen Autobahnkilometern, die übrigens vom Bund bezahlt wurden. Negative Auswirkungen irgendwelcher Art auf Bremen und seine Bewohner sind nicht vorstellbar.
 
Bremen rühmt sich als eine weltoffene Stadt. Bremen ist Wissenschaftsstandort. Bremen ist innovativ. Die Verhinderung der Durchfahrt von Lang-Lkw auf den wenigen Kilometern Autobahn im Rahmen eines Feldversuchs passt nicht in das Bild einer weltoffenen und innovativen Stadt – schon gar nicht in das Bild einer Stadt, die als führender Hafen- und Logistikstandort anerkannt sein möchte.
 
Nach der Fertigstellung der A281 wären das GVZ und die Überseehäfen in Bremerhaven als Anfangs- und Endpunkt für Streckenverkehre mit Lang-Lkw geradezu prädestiniert. Voraussetzung dazu wäre ein Feldversuch, dessen Ergebnisse den Einsatz des Lang-Lkw nahelegten.
Dazu muss der Feldversuch erst einmal beginnen - am besten mit der Unterstützung Bremens.
 
 
Verehrte Gäste, liebe Mitglieder, bevor wir nun zur Ehrung der besten jungen Menschen ihres Jahrganges kommen, lassen Sie mich Ihnen danken für Ihre Aufmerksamkeit. Wir werden uns weiter gemeinsam für den Standort Bremen einsetzen und für unsere Branche.
 
Wichtig ist die Erkenntnis, dass Erfolg und Wohlstand nicht vom Himmel fällt, so wie wir ihn heute erfahren – dies gilt auch in Bremen. Tag für Tag muß dieser gerade auch im internationalen Vergleich, hart erarbeitet werden. Die Rahmenbedingungen müssen ständig überprüft und entsprechend angepasst oder erhalten werden; sie müssen verlässlich und belastbar sein. Vertrauen können - ist wichtig. Für Korrekturen und späte Einsichten ist es nie zu spät.
 
Lassen Sie uns auch in 2012 daran weiter gemeinsam arbeiten. Ein gut funktionierender Wirtschaftsstandort Bremen ist und bleibt das beste Standortmarketing. Erfolg kann man fordern, man hat ihn aber nur gemeinsam.
 
Deutschland und Bremen bieten gute Voraussetzungen. Wir haben es mit in der Hand, die Chancen zu nutzen.
 
Ausbildung
 
Sehr geehrte Damen und Herren,
die hohen Ansprüche, denen Kaufleute für Spedition und Logistik gerecht werden müssen, hatte ich bereits eingangs geschildert.
 
Das Bremer Speditionsgewerbe hat seit Jahren eine Ausbildungsquote von über 15 Prozent. Jahr für Jahr finden rund 250 junge Leute einen Ausbildungsplatz in Bremer Speditionsunternehmen. Vielen Dank an dieser Stelle Ihnen allen für dieses bemerkenswerte Engagement.
 
Ich freue mich, heute drei junge Leute zu ehren, die die besten Abschlüsse im Sommer letzten Jahres und im Winter dieses Jahres erzielt haben.
 
Sehr geehrte Damen und Herren, haben Sie vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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